Längere Shorts & "Add Yours"-Sticker: Neue YouTube-Experimente
YouTube führt 'Add Yours'-Sticker für Shorts ein, ermutigt zu Antworten. Debatte über längere Shorts und Änderungen bei Kanal-Info-Boxen.
Neue Interaktionsmöglichkeiten und Format-Debatten bei YouTube
YouTube befindet sich in einer ständigen Phase des Experimentierens, um die Plattform für Creator und Zuschauer gleichermaßen attraktiver zu gestalten. Aktuell gibt es mehrere Neuerungen und Diskussionen, die von kleinen UI-Änderungen bis hin zu fundamentalen Fragen über das Videoformat reichen. Besonders im Fokus stehen dabei neue Interaktions-Tools für Shorts sowie eine strategische Neuausrichtung der Videolänge im vertikalen Format.
Der „Add Yours“-Sticker: Mehr Community-Engagement für Shorts
Eine der spannendsten Neuerungen ist die Einführung des sogenannten „Add Yours“-Stickers. Mit dieser Funktion möchte YouTube die Interaktion zwischen Creator und Community auf eine neue Ebene heben.
Wie funktioniert der „Add Yours“-Sticker?
Im Kern handelt es sich bei dem Sticker um einen Call-to-Action (CTA). Als Creator kannst du diesen in deinen Shorts platzieren, um deine Zuschauer direkt dazu aufzufordern, ihren eigenen Beitrag zu einer bestimmten Geschichte oder einem Thema beizusteuern.
Wenn ein Zuschauer auf diesen Sticker klickt, kann er selbst einen Short erstellen und hochladen. Diese Antwort-Videos werden dann systemseitig als Antworten zum ursprünglichen Short markiert. Dies schafft eine Art Kettenreaktion, bei der ein einzelnes Video den Ausgangspunkt für eine Vielzahl von Nutzerbeiträgen bildet.
Reichweite und Sichtbarkeit
Ein wichtiger Punkt, der im Rahmen dieses Experiments noch nicht vollständig geklärt ist, ist die Distribution dieser Antwort-Videos. Es bleibt offen, ob diese Shorts ausschließlich über den Sticker des Originalvideos auffindbar sind oder ob sie auch eigenständig im Algorithmus erscheinen und somit eine eigene organische Reichweite generieren können.
Aus Creator-Sicht ist davon auszugehen, dass YouTube auch hier auf die Verbreitung setzt, um mehr Nutzer zur Produktion von Inhalten zu bewegen. Dennoch solltest du als Creator vorsichtig sein: Da Antworten öffentlich erfolgen, ist es ratsam, im Vorfeld mit deiner Community abzuklären, ob alle Beteiligten damit einverstanden sind, öffentlich auf diese Weise zu interagieren.
Kritik an der Strategien-Ausrichtung
Es ist unübersehbar, dass YouTube sich hier stark an Funktionen von Instagram orientiert hat. Während die Übernahme bewährter Mechanismen effizient wirken mag, gibt es auch kritische Stimmen. Es entsteht der Eindruck, dass YouTube versucht, „auf allen Hochzeiten zu tanzen“, anstatt Ressourcen gezielt in die Perfektionierung bestehender Kernfunktionen oder ausstehende Entwicklungsziele zu investieren. Die Implementation vieler kleiner Einzelfeatures kann dazu führen, dass die Plattform unübersichtlich wird und wichtige strategische Ziele ausgebremst werden.
Die Debatte um längere Shorts: Konzept vs. Realität
Neben neuen Stickern gibt es eine grundlegende Diskussion über die Definition von Shorts. In einem aktuellen Interview auf dem Kanal Creator Insider sprachen der YouTube-CEO sowie die Chief Product Officer (Johanna) über die Möglichkeit, Shorts zu verlängern.
Der Widerspruch im Format
Die Idee, Shorts länger zu machen, stößt auf Skepsis, da sie fundamental gegen das ursprüngliche Konzept von „Shorts“ verstößt. Ein Short ist per Definition kurz und knackig. Wenn die Länge nun signifikant erhöht wird, verschwimmt die Grenze zwischen einem Kurzvideo und einem regulären Video im vertikalen Format.
Technisch gesehen ist es bereits möglich, längere Videos im vertikalen Format hochzuladen. Die Frage ist jedoch, warum diese dann unter dem Label „Shorts“ laufen sollen, wenn sie nicht mehr kurz sind.
Ein Alternativvorschlag: „Verticals“ statt Shorts
Eine logische Konsequenz aus dieser Entwicklung wäre eine Umbenennung des Formats. Anstatt die Definition von Shorts zu dehnen, könnte YouTube das gesamte vertikale Format als „Verticals“ bezeichnen.
In einem solchen System könnten Creator flexibel in der Länge variieren, während die spezifischen Funktionen, die derzeit an Shorts gebunden sind (wie etwa bestimmte Interaktionstools oder die Platzierung im Short-Feed), für alle vertikalen Videos zur Verfügung stünden. Dies würde eine konsistentere Nutzererfahrung bieten und das Branding des Formats klarer definieren.
Wer über solche strategischen Änderungen auf dem Laufenden bleiben möchte, sollte regelmäßig YouTube-Updates verfolgen, um die eigene Content-Strategie rechtzeitig anzupassen.
Wichtige Änderungen bei der Kanal-Info und rechtliche Fallstricke
Abseits von Formaten und Interaktionen gibt es eine technische Änderung in den Einstellungen der Kanal-Info-Boxen, die insbesondere für Creator im deutschsprachigen Raum relevant ist.
Das Problem mit dem Captcha
Bisher war es möglich, eine Kontakt-E-Mail-Adresse zu hinterlegen, die für Besucher erst nach dem Lösen eines Captchas sichtbar wurde. Dies diente primär als Schutz vor Spam. Aktuell scheint diese Funktion nicht mehr wie gewohnt zu funktionieren. Zwar kann die E-Mail-Adresse weiterhin in den Einstellungen hinterlegt werden, doch die Option, sie über ein Captcha auf der Kanalseite anzuzeigen, ist teilweise verschwunden oder defekt.
Es ist derzeit unklar, ob es sich hierbei um eine bewusste Design-Änderung im Zuge von UI-Updates handelt oder um einen Fehler im System.
Rechtliche Relevanz: Die Anbieterkennzeichnungspflicht
Diese technische Änderung ist nicht nur ein Komfortproblem, sondern kann rechtliche Konsequenzen haben. Wenn du anbieterkennzeichnungspflichtig bist (z. B. durch kommerzielle Absichten auf deinem Kanal), musst du sicherstellen, dass du für deine Nutzer schnell elektronisch erreichbar bist.
Dies ist insbesondere im Rahmen des digitalen Dienstegesetzes (DDG), speziell in Paragraf 5, verankert. Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, solltest du prüfen, ob eine deiner folgenden Optionen erfüllt ist:
- Du hast ein vollständiges Impressum verlinkt, in dem eine gültige E-Mail-Adresse hinterlegt ist.
- Die E-Mail-Adresse steht direkt und ohne technische Hürden (wie ein defektes Captcha) in deiner Kanalinfo.
Prüfe daher zeitnah deine Kanalseite aus der Sicht eines Besuchers, um sicherzustellen, dass deine Kontaktinformationen korrekt und rechtssicher hinterlegt sind.
Originaltranskript
Transkript
YouTube experimentiert gerade mit einem sogenannten “Add Yours“-Sticker, also “füge deinen Teil der Geschichte hinzu”. Das bedeutet, als Creator kann ich einen sogenannten Call-to-Action setzen, eine Aufforderung an die Zuschauenden, dass sie ihre eigenen Shorts einsenden sollen. Diese werden dann per Klick auf den Sticker als Antworten zum ursprünglichen Short markiert. Es ist innerhalb dieses Experiments nicht klar, ob das die einzige Möglichkeit sein wird, Antworten zu sehen, oder ob ein von einem Zuschauer gesendeter Short auch eigenständig Reichweite generieren kann. Ich würde prinzipiell erst einmal von letzterem ausgehen. Wie gesagt, es ist unklar. Solltet ihr aber mit euren Zuschauenden abklären, ob es Leute gibt, die das vielleicht nicht möchten, öffentlich darauf zu antworten. Ich finde das eine schwierige Geschichte, nur damit ihr Bescheid wisst.
Was natürlich nicht von der Hand zu weisen ist, ist dass das hier eine Instagram-Funktion ist, von der sich das YouTube-Team sehr stark hat inspirieren lassen. Man kann es natürlich so formulieren. Ich habe wieder das Gefühl, dass YouTube hier auf allen Hochzeiten tanzt, versucht, es allen Leuten recht zu machen, und sich nicht in eine Richtung commitiert, also die Ressourcen nicht bündelt, um tatsächlich etwas Fertigzustellen und gut hinzubekommen. Das finde ich ein bisschen schade. Es ist wieder eine Funktion, die Ressourcen frisst und eigentlich nötige, ausstehende Entwicklungsziele ausbremst. Das ist meine Meinung dazu. Wie ihr das seht, bitte in die Kommentare.
An dieser Stelle eine kurze Eigenwerbung: Wir sind auf dem Weg zu 1000 Abonnenten. Unterstützt uns gerne bei diesem Ziel, dann bleibt ihr auch informiert über YouTube-Updates. Und ich würde sagen, wir gehen zurück zum Thema Shorts, denn es gab auch ein Interview in den letzten Tagen auf dem Kanal Creator Insider, wo der YouTube-CEO und die Chief Product Officer, ich glaube, Johanna heißt sie, unter anderem über längere Shorts gesprochen haben. Das ist etwas, bei dem ich mir denke: Das geht doch fundamental gegen das Konzept von Shorts. Wenn ich ein vertikales Video hochladen möchte, kann ich das natürlich auch tun. Wenn ich einen Short hochladen möchte, um Short-Funktionen zu nutzen, kann ich das ebenfalls tun.
Die logische Schlussfolgerung wäre ja, man nennt das Ganze nicht Short, sondern einfach “Verticals” statt Shorts. Dann kann ich in der Länge variieren und die Funktionen, die für Shorts verfügbar sind, auch für Verticals bereitstellen und habe so die Option, eine bessere vertikale Video-Erfahrung für die Zuschauer zu bieten. Das wäre die logische Schlussfolgerung und nicht einfach zu sagen: Wir machen Shorts länger, weil es bereits möglich ist, längere Videos im vertikalen Format hochzuladen. Ich habe gemischte Gefühle dazu. Wie seht ihr das? Schreibt es mir gerne in die Kommentare.
Zu guter Letzt gibt es eine Änderung bei den Kanal-Info-Boxen. In den Einstellungen gibt es nun die Möglichkeit, eine Kontaktadresse hinterzulegen, die Nutzer durch das Lösen eines Captchas anzeigen lassen können auf der Kanalseite. Es gibt zwar noch die Option, diese E-Mail-Adresse zu hinterlegen, aber nicht mehr die Möglichkeit, das Captcha zu lösen und die E-Mail anzuzeigen. Ob das jetzt eine beabsichtigte Änderung ist oder ob es einfach kaputtgegangen ist, weil YouTube wieder einmal UI-Elemente hin und her schiebt, ist aktuell unklar. Wir sind auf jeden Fall dran, damit ihr euch nicht wundert. Und sofern ihr anbieterkennzeichnungspflichtig seid, achtet bitte darauf, dass ihr entweder auf euer Impressum verlinkt, wo eine E-Mail-Adresse hinterlegt ist, oder die E-Mail-Adresse in eure Kanalinfo aufnehmt, damit ihr schnell elektronisch erreichbar seid, wie es im Moment im Paragraphen 5 des digitalen Dienstegesetzes (DDG) steht. Ihr wisst Bescheid, schaut da bitte einmal nach, ob alles in Ordnung ist bei euch.
Und ich würde sagen, wir sehen uns dann nächste Woche zu weiteren YouTube-Updates. Bis dahin, macht’s gut und haut rein!
Unsicher bei Längere Shorts & "Add Yours"-Sticker: Neue YouTube-Experimente? Wir helfen dir weiter: Mehr Infos findest du auf Creator Support und Beratung, oder kontaktiere unten unseren Experten.
